Froschkraut ausgesetzt

Hilfsprogramm für das äußerst seltene Froschkraut: Artenagentur Schleswig-Holstein schafft im Naturerlebnisteich Kasseedorf neuen Lebensraum

Die Artenagentur Schleswig-Holstein und die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein greifen dem Europa weit streng geschützten Schwimmenden Froschkraut (Luronium natans) unter die Arme. Heute, 1. September, setzten Agenturmitarbeiter die aus Wildsamen gezüchtete Wasserpflanze in einem Teich im Naturerlebnisraum Kasseedorf, Kreis Ostholstein, aus.

„Das Froschlöffelgewächs ist auf Bundesebene stark gefährdet und in Schleswig-Holstein sogar vom Aussterben bedroht“, erklärt Detlev Finke von der Artenagentur Schleswig-Holstein. „Bis 2011 wollen wir in rund 30 ausgewählten Gewässern im ehemaligen Verbreitungsgebiet im Südosten des Landes das Froschkraut wieder ansiedeln, um das Überleben der Art im nördlichsten Bundesland zu sichern.“ Wenn alles so läuft wie geplant, wird eine Bestandsituation erreicht, die mit dem Stand von 1945 vergleichbar ist. Voraussetzung für den Erfolg ist eine ausreichende Störung der Gewässerufer, um für das Froschkraut so genannte Pionierstellen zu schaffen, also offener Boden, der gute Bedingungen zum Keimen bietet. An den meisten Gewässern übernehmen diese Arbeit Rinder, wenn sie zum Saufen ans Ufer kommen. Hier im Naturerlebnisraum wird diese Störung durch den Schul- und Spielbetrieb sichergestellt.

„Seinen Namen hat das Froschkraut durch seinen bevorzugten Lebensraum im Uferbereich, eben dem Lebensraum von Fröschen. Es benötigt nährstoffarme Seen und ist aufgrund von Nährstoffanreicherungen und intensiver Nutzung der Gewässer und ihrer Ufer bis auf einen Standort seit Mitte des letzten Jahrhunderts in Schleswig-Holstein völlig verschwunden“, erklärt der Biologe und Züchter des Froschkrauts Joachim Stuhr. Die besten Chancen für eine Wiederansiedlung ergeben sich im Rahmen der Renaturierung ehemaliger Sand- und Kiesgruben und einem Teil der neu angelegten Amphibiengewässer auf den Flächen der Stiftung Naturschutz.
„Wir hoffen, dass die rund 30 kleinen Pflanzen als Ausgangsbestand später auch die umliegenden Stiftungsflächen rund um die Kasseedorfer Teiche soweit wie möglich besiedeln“, wagt Heike Henning, Flächenmanagerin der Stiftung Naturschutz, einen Blick in die Zukunft. Im Stiftungsland gibt es noch weitere Gebiet, die für das Projekt bestens geeignet sind, denn die extensive Beweidung mit Robustrindern verhindert die Nährstoffanreichung in den Gewässern und sorgt durch den wohl dosierten Vertritt der Uferzone für optimale Keimbedingungen.

Finanziert wird das Artenhilfsprojekt aus Mitteln des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Kiel. Das Froschkraut ist eine, der nur drei in Schleswig-Holstein vorkommenden Pflanzenarten, die mit dem Anhang ll der FFH-Richtlinie der Europäischen Union streng geschützt sind. Daher hat das Land eine Verpflichtung sich um diese Art zu kümmern.