Deichbauer in Dahme arbeiten im Einklang mit der Natur

Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein siedelt „Feuchte Dünentäler“ um

Ein höherer und breiterer Deich soll der stürmischen Ostsee zwischen Dahme und Rosenfelde, Kreis Ostholstein, auf einer Länge von rund 5,5 Kilometer trotzen. Doch bevor der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN) im September mit schwerem Gerät anrückt, müssen noch die so ge-nannten „Feuchten Dünentäler“, sie sind europaweit streng geschützt, umgesiedelt werden. Darum kümmert sich die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.
„Wir freuen uns, dass wir mit der Ausgleichsagentur einen kompetenten Partner gefun-den haben, der uns diese schwierige Aufgabe abnimmt“, sagt Rüdiger Schirmacher, Fachbereichsleiter Deichbau des LKN. „Schließlich verlangen die Naturschutzgesetze der EU und des Landes, die wertvollen „Feuchten Dünentäler“ nicht zu zerstören. So können wir uns als Deichbauer auf unsere eigentliche Aufgabe konzentrieren, den Landesschutzdeich zu verstärken.“
In dem nur noch selten an der Küste anzutreffenden Lebensraumtyp „Feuchte Dünentäler“ haben seltene Pflanzen, wie Sumpf-Hornklee, Purgier-Lein oder die Orchidee Fleischrotes Knabenkraut, ein Rückzugsgebiet gefunden. „Um diese hochwertige Pflanzengesellschaft zu erhalten, haben wir rund einhundert Meter weiter Richtung Ostsee schon im Frühjahr alte Senken von Weidengebüsch befreit“, erklärt Thorsten Deinert, Geschäftsführer der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein. „Heute werden wir zuerst die letzten Wurzeln entnehmen und eine dünne Bodenschicht abtragen. Danach nimmt ein Bagger die Dünentäler mit ihrem Sandboden, rund 1.000 Quadratmeter, einfach auf die Schaufel und verfrachtet sie in die vorbereiteten Senken.“
Der Naturschutz wird im weiteren Verlauf der Deichbauarbeiten immer wieder eine Rolle spielen: Im Herbst steht der Umzug der besonders seltenen Graudünen auf dem Programm. Sie gehören zu dem vegetationsreichsten Teil des gesamten Dünenbereiches, werden in Soden abgetragen und an drei neu anzulegenden Standorten im Deichvorland und Binnendeichs wieder ausgebracht. Im Frühjahr haben die Naturschützer um den Landschaftsökologen Deinert eine ganz besondere Rettungsaktion auf dem Plan. Dann wird der wertvolle Kalktrockenrasen gesichert und mit LKWs in das 30 Kilometer entfernte Johannistal bei Heiligenhafen gebracht und neu angesiedelt.
Bis zum Sommer 2013 werden bei der Deichverstärkung vor der Oldenburger Grabenniederung rund 255.000 Kubikmeter Boden bewegt, 700 Tonnen Spundwände gesetzt, 45.000 Quadratmeter Wege und Fahrbahnen und 48.000 Quadratmeter Deckwerksflächen erstellt. So werden 6.500 Hektar Land und rund 6.000 Einwohner vor künftigen Sturmfluten sicher sein.
Die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein versteht sich als Naturschutz-Dienstleister für Investoren, Behörden und Vorhabenträger, die für den Eingriff in den Naturhaushalt einen Ausgleich leisten müssen. Mit Hilfe der Ausgleichsagentur können sie dieser Ver-pflichtung nachkommen und ein Stück intakte Natur erhalten oder neu schaffen. Mehr Infos unter www.ausgleichsagentur.de.